Als Nutzbaum wird die Fichte, meist in Monokulturen, in ganz Europa angebaut.
Ursprüngliche Herkunft:
Die Fichte ist schon seit uralten Zeiten in Europa heimisch. Ihre eigentlichen Standorte sind das Mittel- und Hochgebirge.
Blütezeit:
Mai
Aussehen
Die Fichte ist ein immergrüner Nadelbaum mit einer gleichmässigen, kegelförmigen Krone. Sie kann bis 70 m hoch werden. Die oberen Äste sind abstehend, kurz und nur die unteren Äste sind hängend. Die Rinde ist in der Jugend rotbraun und glatt. Von ihr wurde auch der Name "Rottanne" abgeleitet. Die Zapfen hängen im Gegensatz zur Weisstanne (Abies alba), deren Zapfen aufrecht stehen.
Geschichtliches
Die Fichte, wie auch die Tanne, hat als Bauholz eine sehr alte Vergangenheit. Schiffsmasten wurden bei den Griechen aus Fichtenholz hergestellt. Aus diesem Grund war die Ficht auch dem Gott der Meere, Poseidon, geweiht. Als Geigenholz wurde sie von Stradivari und vielen anderen bekannten Geigenbauern im Gebirge gesucht. Als Mutter- und Lebensbaum ist die Fichte ein Symbol der weiblich- schützenden und Lebenserneuernden Kraft. Die "Irminssäule" war das Baumheiligtum der Germanen. Sie war eine Fichte. Aus ihr wurde dann später der Maibaum. Mit dem Maibaum und den damit verbundenen Festen wird der Beginn des neuen, noch jungen Lebens, der Frühling, angekündigt. Das Terpentin, das aus den verschiedenen Fichtenarten gewonnen wurde kannten schon Hippokrates, Dioskurides und andere Heilkundige. Einige, bereits damals empfohlene Anwendungen des Terpentins haben noch heute Gültigkeit. Als Heilmittel war die Fichte schon der hlg. Hildegard, Paracelsus, Matthiolus und vielen anderen, alten Heilkundigen bekannt. Das Harz, die Nadeln und die Sprossen wurden immer wieder bei den verschiedensten Krankheiten gerühmt. So verordnete man die Fichte bereits damals bei Gicht, Rheuma, Erkältungskrankheiten, Husten usw. Die hlg. Hildegard hielt die Tann in grossen Ehren. Sie bezeichnete sie als Ausdruck der Tapferkeit. Die hlg. Hildegard gibt uns ebenfalls ein Rezept einer Salbe an, die sehr einfach zuzubereiten ist und bei den verschiedensten Schmerzen helfen soll. Auch heute ist die Fichte nach wie vor ein wichtiges Heilmittel. Vor allem in der Volksheilkunde werden die Fichte und ihre vielfältigen Möglichkeiten sehr geschätzt. Die schulwissenschaftliche Heilpflanzenkunde betrachtet die Fichte und die Tanne in einem.
Die Volksheilkunde kennt noch viele andere Anwendungsformen der Fichte und der Tanne.
So dienen Kräuterkissen, gefüllt mit den jungen Nadeln, als beruhigende, Schlaf fördernde und auch nervenstärkende Mittel. Die Kissen nimmt man mit ins Bett und schläft am besten auch gleich darauf. Innerlich werden Fichtennadeln als Tee auch bei, Nieren- Blasenentzündungen, chronischen Hautkrankheiten, als schweisstreibendes, fiebersenkendes und sogar als Wehenförderndes Mittel empfohlen. Dann endlich noch bei: Würmern, Gallensteinen und bei allgemeinen Verdauungsstörungen. In der äusseren Anwendung dient das Bad zur Behandlung von Krampfadern und zur
allgemeinen Stärkung, ganz besonders auch zur Nervenstärkung. Als Spülung wird der Fichtennadeltee bei "Weissfluss" eingesetzt. Die Salbe hat bei verschiedenen, rheumatischen Schmerzen, aber auch bei Brustschmerzen infolge von Erkältungen, dann bei Milzstechen und schliesslich bei Beckenschmerzen ihre Anwendung. Ein ganz besonderes Rezept erhielt ich 1980: Die gekochten Samen der Tanne werden als Tee und zugleich als Umschlag bei Blutvergiftungen angewendet. Vom Tee wird in Intervallen von 3 – 5 Stunden je eine Tasse getrunken. Der Umschlag wird alle 3 Stunden erneuert und über Nacht dauernd getragen. Dieses Rezept wird noch sehr häufig angewendet. Sicherlich schliesst es den Arzt nicht aus. Er unterstützt seine Arbeit aber sehr gut.
Baumheilkundliche Anwendung
Fichte, Föhre und Lärche haben sich gegenseitig ergänzende Eigenschaften. Sie wirken jeweils in ganz bestimmten Beziehungen zum Menschen. So wirkt die Fichte zunächst im körperlichen Bereich des Menschen. Fichte und die Tanne wandeln innere Unruhe, Nervosität und Angespanntheit um in Ruhe und Ausgeglichenheit. Sie haben auch in gewissem Sinne eine kühlende Eigenschaft. Leicht erregbare Menschen lassen sich von Fichten und Tannen beruhigen. Sie finden dort den Ausgleich ihres hitzigen Gemütes. Die Fichte und die Tanne reinigen und öffnen die Atemwege. Sie stärken die Lungen und verhelfen zu einer tieferen Atmung. Allein das Verweilen bei Fichten oder bei Tannen wirkt Durchblutungsförderns und nervenstärkend.