Dähle, Farche, Feuerbaum, Forchen, Föhren, Fuhre, Kienholz, Tälle
Vorkommen:
Die Kiefer ist als wichtiger Forstbaum in ganz Europa bis nach Nordasien verbreitet. Ihr Standort ist
ganz verschieden. Sie gedeiht in Wäldern und auf Felsen genauso gut.
Blütezeit:
Mai
Aussehen
Als Baum, der bis 30 m hoch werden kann, fällt die Kiefer einmal durch ihre kugelig abgeflachte Krone auf. Zudem ist die untere Stammhälfte meist ganz astfrei. Die leuchtend rote Rinde (daher auch der Name Feuerbaum) ist ein weiteres Merkmal der Kiefer. Die Nadeln wachsen in einer graubraunen, dünnen Scheide eingehüllt in Zweierbüscheln. Sie sind von blaugrüner Farbe. Die Winterknospen sind kurz und gedrungen. Die deutlich gestielten Zapfen sind eiförmig-spitz. Betrachtet man die einzelnen Zapfenschuppen, so ist der kleine Höcker mit dem kurzen Aufsatz gut zu erkennen. Die Kiefer blüht erstmals nach ca. 30 Jahren. Es werden grundsätzlich drei Unterarten unterschieden:
Legföhre
niederer Baum – bis 2400 m hinauf anzutreffen
Bergföhre
grösser und lediglich bis 1800 m hinauf anzutreffen
Sumpfföhre
als "Pionierbaum" in Moorgegenden
Geschichtliches
Die Kiefer kann ebenfalls, wie die Fichte, zu den Urbäumen gezählt werden, die bereits vor 10000 Jahren unsere Regionen bewaldeten. Obwohl die Kiefer in den Märchen, Sagen und Legenden eher selten vorkommt, hat sie doch bei den Germanen und den Alemannen eine Bedeutung gehabt. Ratplätze und Grabstätten wurden unter anderem auch mit Kiefern eingesäumt. So ist mir der "Heilige Hain" in Mogelsberg (CH) bekannt, der anscheinen von den Alemannen angelegt wurde. Obschon die Kiefern sicher nicht mehr aus dieser Zeit stammen, hatte der Platz doch einmal eine entsprechende Funktion. Wie und in welcher Form ist unbekannt. Auch ist nicht weiter bekannt, wer die Kiefern in dieser Form gepflanzt hat. Jeder der den "Heiligen Hain" kennenlernen durfte, kann sich noch gut an die Stimmung dort oben erinnern. Leider ist dieser Hain am Sterben. Seine Zeit scheint erfüllt zu sein und er muss einer Zeit Platz machen, in der er sich fremd vorkommen müsste. Die Menschen nahmen ihm in den letzten Jahren zu viel weg und sie waren nicht bereit, ihm Hilfe
anzubieten. Hin und wieder ist von den "Heiligföhren" zu vernehmen. In Osteuropa erzählt man sich, dass die Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz genagelt wurde, aus Kiefernholz geschnitzt gewesen sein sollen. Die Kiefer ist auch Symbol der Langlebigkeit, der Ausdauer und der Wiederauferstehung. Sie bezeichnet auch die erotische Kraft. Die hlg. Hildegard nennt sie die Trauer. Praktische Anwendung fanden Kieferholzspäne im Mittelalter. Aus ihnen wurden Fackeln die "Kienspäne" hergestellt. Die in Harz oder Pech getauchten Späne brannten verhältnismässig lang. Als Heilmittel war die Kiefer schon früh bekannt und wurde angewendet. Hippokrates brauchte das Harz zum Erweichen von Geschwüren und die Rinde als Räuchermittel bei Frauenkrankheiten. Spätere Heilkundige kennen auch die Anwendungen der Nadeln. Als Räuchermittel, zu Einreibungen, in Bäder- und Salbenzubereitungen wurden Rinde, Harz und Nadeln verwendet. So gibt und die hlg. Hildegard eine Salbe an, die die Augen stärken soll. Geschichtlich interessant ist auch die frühe Anwendung der Kiefer bei rheumatischen Erkrankungen und bei Lungenkrankheiten. Als Hustenmittel und bei Nieren-
Blasenleiden kannte man die Anwendung der Kiefer schon im 12. Jahrhundert. Das heute noch bekannte Terpentin wurde schon von den Ägyptern hergestellt. Sie brauchten es, um ihre Verstorbenen zu mumifizieren. Heute sind die Anwendungsbereiche der Kiefer zum grössten Teil dieselben geblieben wie vor 500 – 600 Jahren. Viele dieser Anwendungen sind inzwischen wissenschaftlich bestätigt worden.
bei Husten und Bronchitis, Reizhusten, Nieren, Blasenentzündungen, rheumatischen Erkrankungen, allgem.
Schwäche, Hauterkrankungen, Muskelschwund, verursacht durch Gipsverbände
>>> Das Harz darf vom Laien nicht innerlich angewendet werden!! <<<
äusserlich:
bei Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Nervosität, Überreiztheit, Wunden und
Hautkrankheiten, Rheuma, Durchblutungsstörungen
Zubereitungen
innerlich:
als Sirup und als Tee
äusserlich:
als Bad, als Inhalation, als Einreibung, als Salbe
Volksheilkundliche Anwendung
Die Volksheilkunde kennt die Kiefer sehr gut. Ihre vielseitige Anwendung spricht genügend für sich. Nebst den Anwendungen, die ich bereits gezeigt habe, kommt die Kiefer auch bei Gicht, Neuralgien, als Blutreinigungsmittel und als wehenförderndes Mittel zur Anwendung. Hin und wieder begegne ich Rezepten, in denen das Terpentin zum Auflösen von Gallensteinen gerühmt wird. Die traditionelle Frauenheilkunde kennt auch die Anwendung des Kiefernbades als Sitzbad bei Weissfluss und andern Unterleibskrankheiten.
Baumheilkundliche Anwendung
Die Kiefer hat eine sehr enge Beziehung zur Seele des Menschen und unterscheidet sich dadurch von der Fichte. Traurige,
melancholische und wehmütige Menschen suchen gerne die Kiefer auf. Sie fühlen sich bei ihr geborgen. Oft erfahren sie dabei eine Verstärkung ihrer Gefühle. Diese Menschen setzen sich sehr stark mit sich auseinander und übersehen dabei, dass sie ja überhaupt nicht allein sind. Sie machen den Eindruck, stets in sich gekehrt zu sein. Die Kiefer wirkt hier lösend. Die innere Zurückgezogenheit öffnet sich. Für einige Zeit atmet der Besucher tiefer. Wie bei der Fichte und der Lärche. werden die Lungen gereinigt. Der Blutkreislauf und damit der Sauerstofftransport ist besser. Der Druck in der Brust wird leichter und verschwindet mit der Zeit ganz. Mit der besseren Sauerstoffzufuhr werden auch die Verdauung und der Stoffwechsel indirekt unterstützt.