Aussehen
Die leuchtenden Blüten im frühen Frühling lassen uns die Wildkirsche in den Wäldern und den Waldrändern entlang sofort erkennen. Der stattliche Baum kann 30 m hoch werden und ein Alter von 300 Jahren erreichen. Die rötliche Rinde löst sich ringartig in Streifen vom Stamm ab. Die breit ausladenden Äste tragen eiförmige, in eine Spitze auslaufende und tief gezähnte Blätter. Die dunkelroten Früchte sind viel kleiner als die der kultivierten Kirschbäume. Wildkirschen schmecken herb, süss-sauer und hängen in 2er bis 6er Büscheln an den Zweigen.
Geschichtliches
Funde aus der Jungsteinzeit weisen daraufhin, dass die Kirschen schon damals als Lebensmittel bekannt waren. Die kultivierten Kirschen stammen alle von der Süsskirsche ab. Erst durch die Griechen und Römer fanden die Tafelkirschen in Europa ihre weite Verbreitung. In seinen Geschichten ist der Kirschbaum sehr vielseitig. Die schauerlichsten und die lieblichsten Sagen und Legenden ranken sich um ihn. So wohnen auf ihm die mit Moos und Rinden bekleideten Wald- und Baumeister, die den ahnungslosen Wanderer belästigen, ja sogar körperlich verunstalten. Während der Blütezeit tanzen die Elfen des Baumes im Mondlicht. Grau und ganz durchscheinend sind sie anzusehen, so wie Geister beschrieben sind. Da sind auch noch die Seelen der Verstorbenen, die sich beim Kirschbaum herumtreiben. Ganz besonders jene Seelen, die von den Baumelfen geholt und gefangen wurden. Der Kirschbaum ist voll von Märchen und Erzählungen. Die Kirsche steht als Symbol dem Apfel in nichts nach. Die Bilder reichen vom Symbol der Sünde, der Verführung bis hin zum Symbol der Unschuld, der Reinheit und der göttlichen Süsse. Die Kirsche ist Ausdruck der Geburt der Fruchtbarkeit und der Freude. Kirschzweige werden am 4. Dezember dem "Barbaratag" geschnitten und in Wasser eingestellt. Blüht der Zweig an Weihnachten, soll das kommende Jahr vom Glück gesegnet sein. Zudem ist das Erblühen des Kirschzweiges in
dieser Jahreszeit auch ein Heiratsorakel. Mit diesen wenigen erhaltenen Bräuchen haben sich Bruchstücke alter Fruchtbarkeitsrituale in unserer Zeit hinübergerettet. Diese Fruchtbarkeitsrituale sind dem Mond geweiht.
Früher war der Kirschbaum in der Heilkunde sehr angesehen. Heute kennt ihn eigentlich nur noch die Volksheilkunde und die Homöopathie. Selbst innerhalb der Volksheilkunde ist der Kirschbaum nur noch unvollständig bekannt. Viele alte Anwendungen sind vergessen oder verloren gegangen.
Naturwissenschaftliche Heilpflanzenbeschreibung
In der Heilpflanzenkunde kennt der Kirschbaum keine offizielle Anwendung mehr. Dennoch rechtfertigen die Inhaltsstoffe der verschiedenen Teile ihren Gebrauch nach wie vor.
Verwendete Teile: |
Stängel: Stipites cerasi |
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Rinde: Cortex cerasi |
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Blätter |
Sammelzeit: |
Stängel: Juni – Juli |
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Rinde: April – Mai |
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Blätter: Mai – Juni |
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Frucht: Juni – Juli |
Wirkstoffgruppe: |
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Drogen mit Glycosiden, Gerbstoffen und Vitaminen |
Hauptwirkstoff: |
Stängel: Gerbstoff |
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Rinde: Amygdalin |
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Blätter: Cumaringlycosid |
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Frucht: Vitamine: Riboflavin, Thiamin, Niacin, Vitamin C, Mineralsalze |
Nebenwirkstoff: |
Stängel: Organische Säuren |
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Rinde: Harz, Stärke, ätherisches Öl, Tannin, Gallussäure |
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Blätter: Gerbstoffe, Farbstoffe |
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Frucht: Salicylaldehyd, Quercetin, organische, Säuren, Pektin |
Wirkungen
Hauptwirkungen: |
Hustenreiz mildernd, schleimlösend, entzündungswidrig, Wasser treibend |
Nebenwirkungen: |
durchblutungsfördernd, blähungswidrig, verdauungsfördernd |
Anwendungen
innerlich und äusserlich: |
keine offiziellen Anwendungen mehr |
Zubereitungen
innerlich und äusserlich: |
keine offiziellen Anwendungen mehr |
Volksheilkundliche Anwendung
Der Kirschbaum ist auch in der Volksheilkunde lange nicht mehr so bekannt wie er einmal war. Die Blätter, als geschmacksvolle Teebeigabe, werden kaum noch verwendet. Genauso geht es dem Harz aus dem Stamm des Baumes, dem Katzengold, das als Hustenmittel bekannt war. Die Fruchtstiele werden hingegen noch recht oft gebraucht. Man kocht sie aus und trinkt den Tee als schleimlösendes, Auswurfförderndes und als Wasser treibendes Mittel. Die Rinde wird manchmal noch bei Bronchitis, Katarrhen, bei Blähungen und bei Verdauungsstörungen verwendet. Der Saft aus den Früchten wirkt Blutbildend und Blutdrucksteigernd. Das gebrannte Kirschwasser ist bestens bekannt. Nebst der innerlichen Anwendung als Verdauungsförderndes, Magenstärkendes Mittel wird es äusserlich als Einreibemittel bei Gicht, Rheuma und Herzbeschwerden gebraucht.
Baumheilkundliche Anwendung
Seine Frische und Jugendlichkeit wirkt ansteckend. Griesgrämigen und traurigen Menschen hilft der Kirschbaum die Fröhlichkeit, den Frühling, wieder zu finden. Er stärkt das Herz und den Blutkreislauf. Der Frühling hält Einzug im ganzen Menschen. Erfrischt und aufgemuntert entfernt sich der Besucher vom Kirschbaum. Mit der Gewissheit, wieder zurückkommen zu dürfen, wenn er das sanfte Berühren des Kirschbaums benötigt.
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